Geodaten, Aufbau und Anwenung

Wer schon mal ein Navi bedient hat, hat auch Geodaten genutzt. Aber wie funktioniert das eigentlich? Die Grundlage für die Darstellung einer Position auf der Erde ist ein geografisches Koordinatensystem. Damit können Orte eindeutig über Koordinaten beschrieben werden.

Woher kommt der Nullmeridian?

Bevor wir uns WGS 84 anschauen, ist eine historische Tatsache wichtig: Der heute verwendete Nullmeridian wurde nicht erst mit WGS 84 festgelegt. Bereits im 19. Jahrhundert benötigte die internationale Schifffahrt einen gemeinsamen Bezugspunkt, um geografische Längen eindeutig bestimmen zu können. Das **Royal Observatory in Greenwich bei London** spielte damals eine wichtige Rolle für die Navigation und Astronomie. Im Jahr 1884 wurde auf der International Meridian Conference in Washington der Meridian durch Greenwich als internationaler Nullmeridian festgelegt. Das ist interessant, weil WGS 84 später von den USA entwickelt wurde. Der Nullmeridian liegt deshalb trotzdem nicht in Washington D.C. Der Grund ist einfach: Der Nullmeridian war bereits rund 100 Jahre vorher international festgelegt worden.

WGS 84

Das WGS 84 – World Geodetic System 1984 wurde später vom US Department of Defense entwickelt und 1984 eingeführt. Es ist ein globales geodätisches Referenzsystem und bildet unter anderem die Grundlage für GPS und viele Anwendungen der weltweiten Positionsbestimmung. WGS 84 hat den historischen Nullmeridian also nicht einfach neu erfunden. Vielmehr definiert es ein modernes, weltweit einheitliches Referenzsystem, mit dem Positionen auf der Erde eindeutig beschrieben werden können. Für die Beschreibung einer Position auf der Erdoberfläche werden dabei hauptsächlich zwei geografische Koordinaten verwendet:

Longitude (Längengrad) und Latitude (Breitengrad)

Longitude – der Längengrad
Die Longitude beschreibt die Position in Ost-West-Richtung. Als Ausgangspunkt dient der **Nullmeridian**, der durch Greenwich verläuft. Er entspricht 0° Longitude. Von dort wird nach Westen und Osten gemessen. Die maximale Entfernung vom Nullmeridian beträgt jeweils 180°. In der üblichen Schreibweise werden westliche Werte negativ und östliche Werte positiv angegeben:
West                    Greenwich                    Ost
-180° --------------------- 0° -------------------- +180°
Latitude – der Breitengrad
Die Latitude beschreibt dagegen die Position in Nord-Süd-Richtung. Als Ausgangspunkt dient der **Äquator** mit 0° Latitude. Von dort wird nach Norden bis +90° am Nordpol und nach Süden bis -90° am Südpol gemessen:
                    +90°
                  Nordpol
                     │
                     │
                     │
Äquator -------------0°-------------
                     │
                     │
                     │
                  Südpol
                    -90°
Ein Punkt auf der Erdoberfläche kann damit beispielsweise durch ein Koordinatenpaar beschrieben werden: Latitude: 49.0069° Longitude: 8.4037° Damit lässt sich eine Position eindeutig innerhalb des verwendeten Referenzsystems beschreiben. Und genau hier beginnt die eigentliche Welt der Geodaten: Koordinaten müssen nicht nur gespeichert, sondern auch richtig interpretiert, in Karten dargestellt und gegebenenfalls in andere Koordinatensysteme beziehungsweise Projektionen umgerechnet werden.